Flying Pictures im Hamburger Bahnhof

Flying high mit den Flying Steps

Wie wäre es, wenn Bilder nicht nur sichtbar wären, sondern auch hörbar? Wenn all die Gedankenwelten und Emotionen, die ein Maler in ein Gemälde steckt, sich in Musik wiederfinden könnten? Diese Frage stellte sich der russische Komponist Modest Mussorgsky Ende des 19. Jahrhunderts, als er durch eine Ausstellung mit Werken des Malers Viktor Hartmann ging, ein Weggefährte und Freund. Und bei diesem bloßen Gedanken blieb es nicht: Modest Mussorgsky verwandelte seine eigenen Gefühle zu den Bildern in Töne und komponierte den Klavierzyklus Bilder einer Ausstellung, den er seinem verstorbenen Freund widmete.

Die Flying Steps – die legendäre Berliner Breakdance Kompanie  – gehen noch einen Schritt weiter. Gemeinsam mit den Komponisten Vivan und Ketan Bhatti und den Künstlern des brasilianischen Labels Osgemeos, haben sie diese Idee weiterentwickelt und die Musik Mussorgskys tänzerisch interpretiert. Herausgekommen ist Flying Pictures, ein beeindruckendes Tanz-Street-Art-Sound-Spektakel, das voll auf die Sinne geht. Zusehen bis zum 02. Juni 2019 im Hamburger Bahnhof in Berlin.

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After Party, After Life

Georgien ist gerade überall. Ständig werden mir neue Bücher empfohlen, Reiseführer angepriesen, Filme und Musik aus dem Land am Kaukasus ans Herz gelegt. So als wäre Kolumbus erneut auf große Fahrt gegangen und hätte ein neues Land entdeckt, das nun – ganz den modernen Zeiten geschuldet – medienwirksam präsentiert wird. Das mag an der diesjährigen Frankfurter Buchmesse liegen, auf der Georgien als Ehrengast eingeladen war. Vielleicht auch daran, dass die georgische Hauptstadt Tiflis neuerdings als Partymetropole mit dem Berlin der 1990er Jahre verglichen wird. Aber es könnte auch einfach sein, dass der Rest der Welt sich öffnet für ein Land, dessen Menschen, Künstler*innen und Autor*innen viel zu sagen haben. Wie Data Tavadze, ein junger georgischer Autor und Regisseur, der sein Stück After Party, After Life im Rahmen des Festivals War or Peace – Crossroads of History 1918/2018 im Maxim Gorki Theater zeigt. Das Festival begibt sich 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg auf eine Art Spurensuche. Was ist geblieben von diesem einschneidenden Konflikt? Welches Erbe hat er für die Menschheit hinterlassen? Wie wirkt er in unsere Gegenwart nach?

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Die schillernden Obsessionen der Künstlerin Tomoko Nagao

Vor drei Jahren traf ich die japanisch-italienische Künstlerin Tomoko Nagao im Rahmen eines Filmprojektes zum ersten Mal. Ihr Thema sind die alten – meist italienischen Meisterwerke – die ihr als Vorlage für ihre eigene Kunst dienen. Um die Motive auf Anhieb zu erkennen, muss man sich entweder sehr gut in der Kunstgeschichte auskennen oder das Original direkt zum Vergleich vor Augen haben. So oder so, Tomoko Nagaos Kunst ist auf jeden Fall eine Reise nach Mailand wert, wo ich nun, zum Anlass ihrer neuen Ausstellung, erneut mit der Künstlerin verabredet war.  

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