Corona Diary – 28. März 2020

Alltag mit Corona

Die Stadt befindet sich in einer Art Coronaschlaf. Vergitterte Schaufenster, hochgeklappte Bürgersteige, leere U-Bahnen und Busse. Nur Schlangen vor und in den Supermärkten. Die Angst unterversorgt zu sein, sei es mit Lebensmitteln oder Klopapier ist groß. Auch wenn die Bundesregierung regelmäßig betont, dass wir in Deutschland keinen Mangel erleiden werden, so richtig glauben mag es offenbar niemand. So sieht der Alltag mit Corona aus. Wir haben uns relativ schnell angepasst, daran gewöhnt haben wir uns noch lange nicht.

Pläne versus Unsicherheit

Die Menschen wollen vorbereitet sein, planen, was sich nicht planen lässt. Hamstern, um die größtmögliche Unsicherheit in den Griff zu bekommen, was sich schon per se widerspricht. Wer kann schon wissen, wie die Welt in vier Wochen aussehen wird. Waren wir jahrelang damit beschäftigt, Pläne für die Zukunft zu schmieden, Karrieren aufzubauen, uns selbst mit Gesundheitsapps und Ratgeberbüchern zu Höchstleistungen zu trimmen, sind wir jetzt auf ganz profane Grundbedürfnisse zurückgeworfen. Und die können auf Dauer ganz schön anstrengend sein, vor allem, wenn es keine andere Bespaßung gibt.

Mein Kiez wirkt ungewöhnlich verlassen – seit Corona weigere ich mich, das Wort „ausgestorben” zu verwenden – wie an einem sehr frühen Morgen am Wochenende, 24 Stunden lang. Nur JoggerInnen auf dem Weg in den nächstgelegenen Park. Der Park ist voll, voll mit Menschen, die sich bewegen. Zu Beginn dieser ganzen vermaledeiten Situation war es noch so, dass man sich anlächelte, lief man aneinander vorbei. Inzwischen läuft man sich lieber aus dem Weg. Jedes Gegenüber bedeutet Gefahr, die Stimmung ändert sich. Ich höre mir während meiner eigenen Joggingrunde selbst beim Grübeln zu und beruhige mich, dass die, die noch joggen gesund sein müssen.

Flucht aufs Land

Ich brauche eine Ortsveränderung, solange es noch möglich ist, Ausflüge ins nahe Umland zu machen. Raus aus der Stadt, aus dem nichtvorhandenen Trubel. Also fahre ich in die nahe gelegene brandenburgische Natur. Es ist ein wunderbarer Frühlingstag, warm schon. Und hier auf dem Land scheint die Welt noch irgendwie in Ordnung zu sein. Die Natur ist unberührt vom Virus. Sie sprießt, Vögel zwitschern, die ersten Schmetterlinge fliegen mir entgegen. Menschen, die mir begegnen – es sind nicht so viele – grüßen freundlich. Ein Haus auf dem Land wäre jetzt gut, weit weg von den Begehrlichkeiten der Stadt, die jetzt Bedrohung bedeuten. Darauf wartend, dass das Virus uns wieder verlässt und nicht zu viel mit sich reißt.

© | Stephanie Drescher

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